Die Überschrift, die unterwandert
Eine Marketingkolumne
Herzlich willkommen, verehrte Lesende, zur 228. Sonntagskindkolumne. Ich gebe zu: Ich bin nicht der Headlinehecht im Texteteich. Jede Woche beschäftigt mich die Frage nach der richtigen Überschrift. Heute will ich dieses Thema für Euch studieren. Viel Spaß beim Lesen! Am Ende lade ich Euch zum Live-Songwriting ein und dann gibt es noch eine Überraschung für meine Freundinnen und Freunde in Bremen. Viel Spaß beim Lesen!
Ein guter Titel, so die Experten, verführt. Wer im Onlinedschungel auffallen will, kann sich keine Moral leisten und muss den Zeigefinger knietief in die Wunde legen. Hier ein paar gelungene Beispiele inklusive Erklärung:
10 Gründe, den Arsch hochzukriegen
Listen kommen immer gut an, weiß der Marketingvolksmund. Da der durchschnittliche Onlineleser ein Disziplinproblem hat und seine Lebenszeit mit bewusstlosem Herumgescrolle verdödelt, trifft die Headline doppelt:
1. Der Konsum sogenannter listicles betrügt das Gehirn mit der Illusion, man hätte irgendetwas im Griff. „Erstens, zweitens, drittens …“ – wer seine Gedanken nummeriert, hat wahrscheinlich den Überblick.
2. Das schlechte Gewissen wird geboostet, der Dopaminsklave erinnert sich an seinen Vorsatz: Er wollte eigentlich dafür sorgen, dass seinen Hinterbliebenen etwas Besseres einfällt als „War stets bemüht“ auf den Grabstein zu schreiben. Jetzt fühlt er sich schuldig. Wir haben ihn am Haken und können ihm ein kostenpflichtiges Lebenslang-Abo andrehen, das jedes Jahr teurer wird.
Warum Scrollen die Libido killt
Crazy Donald macht es vor: Meinung schlägt Wissen. Die Meinung muss nur professionell und selbstbewusst präsentiert werden. Auch Gil Ofarim im Dschungelcamp, mit seiner jesusalen Leidhaftigkeit, zeigt uns, wie unwichtig die Realität ist, wenn die Gefühle stimmen.1
Einfach irgendetwas behaupten, Klima der Angst schaffen und mit der Erwartung spielen, dass die These geglaubt und der Text die Lösung verschenkt. „Du hast ein Problem – mit mir wirst du es wieder los.“ Klassischer Mephisto-Move, klappt immer.
Social Media macht intelligent – der Beweis
Die Erlösungsheadline mit dem Zuckerl für die Seele: „Sei beruhigt: Du verblödest gar nicht beim Dumm-aufs-Handy-Starren, stattdessen wächst der Raum zwischen den Ohren.“ Dass er sich in Wirklichkeit nur in die unendliche Leere ausdehnt, musst du gar nicht wissen.
Der wahre Grund, warum dein IQ täglich sinkt
Umgekehrt geht’s auch: direkt die intellektuelle Eitelkeit anschießen. Die Mehrheit der Menschen hält sich für überdurchschnittlich intelligent, das lässt sich nutzen.
Selig sind die geistig Armen – das hat Jesus schon vor über 2000 Jahren in einem berühmten Passionpost nach einem Tempeltalk auf Galileagram gedropt. Die Minds seiner Jünger waren seine Timeline, auf denen er scrollte. Irgendwann hat er es mit dem Crossposting übertrieben, da blieb ihm nur noch der finale Logout. Obwohl Jesus seitdem offline und nicht erreichbar ist, behauptet die Kirche, er würde dich lieben. Klingt ganz schön nach Love-Scammer, nicht wahr? Das führt uns zur nächsten Headline:
Leben ist nichts für Anfänger
Merkt jeder. Unser Bildungssystem bereitet uns auf alles mögliche vor, aber wenn wir wieder mal aufstehen und denken: „Was soll der ganze Quatsch eigentlich?“ – ist der Satz des Pythagoras keine befriedigende Antwort. Auch „He, she, it – das ‚s‘ muss mit“ macht die hungrige Seele nicht satt. Die Führung einer so komplexen Angelegenheit wie Leben sollte man Leuten überlassen, die etwas davon verstehen: Coaches! Die haben schließlich eine dreimonatige Ausbildung gemacht und wissen, wie man ein dürftiges Dasein in eine entflammte Existenz verwandelt.
Dass Ihr, liebe Lesenden von Sonntagskind, über solche Ratschläge nur lächeln könnt, weiß Euer
Gemeinschaft ist alles:
Aus der Kajüte der Erkenntnis
I. Ein guter Titel öffnet eine Tür, ohne den Fuß reinzustellen.
II. Wer Erlösung verspricht, verkauft Zeit. Deine.
III. Wer dir erklärt, warum du ein Problem hast, muss wahrscheinlich davon leben.
Bremen: Am 6. März spiele ich meine Show Songs & Stories im Packhaus-Theater. Ich würde mich freuen, Euch dort zu treffen, hier gibt es Tickets.
Ein Spiel: Am Mittwoch, dem 18. Februar um 16 Uhr komponiere ich einen Song, live auf Substack. Das habe ich letzte Woche zum ersten Mal gemacht – mit Freude. Zuvor hat Substack mich gefragt, ob ich das per Mail ankündigen will – ich klickte freudig „na klar!” und schickte über tausend Mails raus. Ich bitte dafür um Entschuldigung, denn mein Versprechen, nur einmal in der Woche eine Mail zu schicken, soll gelten. Darum hier die Ankündigung. Wer dabei sein will, macht am Mittwoch, 18. Februar, die Substack-App auf und kommt dazu. Dann schreiben wir gemeinsam einen Song.
Hier der Song vom letzten Mal:
FURIENFETISCH heißt er, dieses Wort kommt von Anna Asconti, wie auch das schöne Verb VERTRÖDELN. Der Name der EssenzExpressionistin gehört an sich schon vertont, sie gab allerdings SELBSTFREUNDLICHKEIT in den großen Wortsalat. Rheese, vom Dschungel gestreift, erinnert uns an LÜGEN AM LAGERFEUER und ohne Saskia gäb es kein ABENTEUER auf der CHAISELONGUE, die uns Birgit Dohlien auf Florian Scheibes BLITZEISATTACKE stellt und auch noch den ABGELIEBTEN HASEN ins Spiel bringt. Kein Wunder, dass das von diesen grotesken Vokabeln ausgelöste Desaster nur eine SUPERSEXY BLECHLAWINE sein kann, wie Marika Mettke weiß.
Nach dem Live-Songwriting hatte ich mich an die Produktion gesetzt, das erklärt das ausbleibende Photo, denn meine NACHTSCHICHTAUGENRÄNDER waren nicht präsentabel, was Jomial Weserkind offenbar schon vorher wusste. Live waren auch noch Timogenes, Julian Stiller und andere aktiv dabei, das ging alles so schnell, ich hätte es mir notieren sollen. Nun, hier ist der Song. Roh, schmutzig, schnell gemacht – und ohne Euch nicht möglich. Ich liebe das. Wenn Euch diese Art gemeinsamen Zeitvertreibs Freude macht, sagt es mir, tragt es in die Welt. Am Mittwoch, 18. Februar um 16 Uhr machen wir das wieder!
Hier das zu 100 % KI-freie Lyricvideo:
Ich bin Mark Scheibe, der freundliche Snob, der mit seinem Steinway-Flügel auf einem Hausboot lebt – ignorierter Künstler von Weltrang. Ein Geheimtipp bin ich als Opernkomponist und Jazzsänger. Auch als Schlagertexter, Astrologe und Marathonläufer halte ich mich aus Anstandsgründen dem Glitzerlicht der öffentlichen Bewunderung fern. Mit meiner wöchentlichen Kolumne „Sonntagskind” versuche ich mich vor dem natürlichen Andrang auf mein stetig wachsendes literarisches Oeuvre zu verstecken.
Wer mehr wissen will: Der Fall Gil Ofarim auf Wikipedia.







MOIN,MOIN..MARK..ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT........ICH HASSE JA solche Sendungen wie "DSCHUNGELCAMP" ABER DIESE KREISCHDOHLE MIT DEM WASCHMITTELNAMEN UND DEN PORNOLIPPEN...HAT MICH ERWOGEN , kurz innezuhalten und 1,50E AUSZUGEBEN um 3 MAL FÜR DEN GIL ANZURUFEN.