Geld verdienen auf Substack?
Ausblick und Dank
Substack: Schreiben und Geld verdienen? Vor fünf Jahren dachte ich: Es braucht mehr unterhaltende Newsletter. Ich fing an. Zunächst ohne finanzielle Interessen, irgendwann fragten freundliche Stammleserinnen, wie sie außer Komplimenten etwas loswerden können. Da kam der PayPal-Button.
Schnell stellte ich fest: Die Statistik stimmt – es heißt, 2% der Abonnenten sind bereit, ungefähr 100 Euro im Jahr zu zahlen. Das kam bei mir ziemlich genau hin. Später überzeugte mich Substack-Expertin Kristina God, MBA, die Bezahlfunktion auf Substack zu nutzen, denn: Substack verdient nur, wenn ich verdiene. Und das mögen sie mit ihrem Algorithmus.
Anders als die meisten bezahlten Newsletter liefere ich keinen messbaren Mehrwert: Kein Werd-schell-reich-mit-Bitcoin-Coaching, kein Know-How für achtsame Lebenskunst, keine Schminktipps für Senioren. Stattdessen Schabernack. Luxustexte fürs Champagnerfrühstück, (hoffentlich) unterhaltsame Kolumnen zum Vorlesen und gemeinsames Lachen, veröffentlicht in der auf Deutsch ansonsten kaum bespielten Kategorie „Humor“.
Meine Einnahmen machen noch kein Einkommen aus, aber wir wachsen hier. Ob ein Text gut ist, entscheiden diejenigen, die ihn lesen. Ich halte mich daran, dass ich erst veröffentliche, wenn ich sicher bin, mein Bestes gegeben zu haben. Das führt dazu, dass ich manchmal eine ganze Nacht an 500 Wörtern sitze, damit diese den Anschein haben, als hätte ich sie in einem Anflug geistiger Brillanz locker mal eben hingeworfen.
Wenn dann plötzlich aus dem Nichts eine mir unbekannte Leserin ihr kostenloses Abonnement in ein bezahltes verwandelt, ist das ein Geschenk. Trotzdem: Wer meine Kolumne lesen will, kriegt sie gratis per Mail. Wer zahlt, darf ins Archiv, in dem mittlerweile 275 Kolumnen liegen. Texte über das sonderbare Gefühl, in der mecklenburgischen Provinz als Mann eine Frauenhandtasche zu tragen, über den Ästhetik-Horror am Frühstücksbuffet eines Drei-Sterne-Hotels oder die Begegnung mit einer Schauspielerin, die auf die Frage nach ihrer derzeitigen Beschäftigung sagt: „Kannst mich ja mal googeln.“
Wie sich das hier weiterentwickeln wird? Es liegt auch in unseren Händen. Schaffen wir ein gutes Angebot, für das die solventen und gewillten zwei Prozent Geld auszugeben bereit sind, wird Substack – so hoffe ich – das elegante Foyer der großen Social-Media-Operette bleiben, in dem wir uns ohne Werbeunterbrechungen gegenseitig inspirieren können – und zeigen, dass wir nicht nur Tagebuchschreiber sind, sondern das umfangreiche Printangebot unserer Medienlandschaft durch etwas ergänzen, dass persönlicher sein kann als der Text, der von einer Redaktion beauftragt und genehmigt wurde. Und trotzdem nicht weniger gekonnt.
Bin ich Autor einer Zeitung1, weiß ich nicht, wer meine Artikel liest. Hier schreibe ich jeder Leserin, jedem Leser persönlich, per Mail. Einundzwanzig meiner über tausend Abonnenten haben sich für ein bezahltes Abonnement entschieden. Zahlende Abonnenten, Ihr seid Pioniere! Danke! Mit Euch entsteht eine neue Kreativwirtschaft, ein neuer Kanal zwischen Schaffendem und Genießendem, das Verhältnis von Bühne und Publikum, Schreiber und Leser gestaltet sich neu.
Ich plane, meine zahlenden Gäste mit einem Sonntagskind-Jahresheft und einer jährlichen CD zu beschenken und zu Hausbootkonzerten einzuladen. Letzteres ist ein verrücktes Unterfangen, an dem ich seit einiger Zeit arbeite. Einer meiner zahlenden Abonnenten ist derart großzügig, dass er die Produktion der ersten Hausbootshow inklusive Filmproduktion finanziert. Ich kann mein Glück nicht fassen und verkünde demnächst den Termin. Auf dem Hausboot ist Platz für ein Mini-Publikum aus sechs Gästen, die Karten will ich unter meinen Leserinnen verlosen, die sich entschieden haben, ein bezahltes Abo abzuschließen.
Allen Schreibenden hier auf Substack wünsche ich eine so verbindliche, liebende, wertschätzende und neugierige Leserschaft, wie ich sie haben darf. In dieser Zeit, in der manchmal alles Kopf zu stehen scheint, ereignet sich manchmal das Wunder von Begegnung, Verbindung, Miteinander. Ich liebe das, es schenkt Sinn. Danke.





