Penisneid am Meeresgrund
Die Vermählung des Feuilleton mit der Klatschspalte
Tanten, Themen, Terrorismus
Ich suche mir die Themen nicht aus, verehrte Lesende. Sie kommen zu mir. Heute fühle ich mich wie der fünfjährige Junge, dem die fiese Tante mit dem schlechten Atem eine scheußliche Hose mitbringt, die er dann jeden Sonntag tragen muss, wenn die alte Schachtel zum Kaffee erscheint: „Is die Büx nich schmuck, min Jung?“ Ich nicke, lächle und sterbe innerlich. In dunkelbraunem Cord.
Der heilige Wal
Ich hätte heute lieber den Musenkuss des Feuilletons geschmeckt. Wollte über die Renaissance des Expressionismus schreiben, über die Heiligkeit des Müßiggangs, das metaphysische Leuchten der Crema auf dem Caffè lungo. Geht leider nicht.
Leider blöder als der Köder
Eigentlich ignoriere ich das Timmy-Thema mit der Erhabenheit eines Literaturnobelpreisträgers, der versehentlich in die Kommentarspalte auf Bild.de geraten ist. Aber es ist wie mit dem Dschungelcamp: Man blickt einmal hin, und schon schnappt die Seele zu.
Zeitung von Rang leitet zum Zwang
Eine Zeitung hat mich mit einer Headline geködert. Nun hänge ich am Angelhaken. Ich muss ihn mir aus dem Fleisch des Anstands schreiben und bitte um Nachsicht für diesen Ausflug unter den Wasserspiegel des guten Geschmacks.
Experten bangen, dass Timmy, der Wal, explodiert. Vor zwanzig Jahren ist so etwas schon einmal passiert, mit einer von Fäulnisgasen aufgeblähten Walleiche in Taiwan. Onlineredakteurin Maria Kurth berichtet darüber in der Berliner Morgenpost und lenkt die Timmy-Schau auf ein ganz neues Thema:
„Viele Männer besuchten den Kadaver, um den überdimensional großen Penis aus nächster Nähe zu sehen.“
Erloschene Lüste, entmenschlichte Düfte
Viele Männer, keine Frauen? Ob Frauen für einen Kadaver nicht aus dem Haus gehen, weil sie mit der toten Hose im Ehebett selbst ein Grab im Schlafzimmer haben? Der Grund für den Herrenüberschuss beim toten Wal mit dem Riesending mag auch der international berichtete weibliche Ausruf im Angesicht entblößter Mannesorgane sein: „Vom Geruch her hätte ich ihn mir größer vorgestellt.“
Charakterentspannung durch Chirurgie
Trotzdem ist kein Fall bekannt, in dem ein Mann von seiner Freundin zu einem Penis-Enlargement genötigt wurde, obwohl solche Operationen immer häufiger werden, besonders in Deutschland.
Wir sind offenbar nicht nur das Land der Dichter und Denker, sondern auch der jammernden Schwänze: Die männliche Genitalneugestaltungsquote liegt weltweit bei 15.000 ppj (Pimmel pro Jahr). 3.000 aller Organoptimierungen werden allein am deutschen Gliedgut vorgenommen. Über die Hälfte der Germanen mit Glied schätzen ihr Gemächt gering. Der Blick auf die eigene Bestückung führt bei ihnen zu einem ungünstigen Dick-Pic.
Neid-Ride durch die Wildnis
Es liegt wohl am Vergleich des domestizierten Menschenmännchens mit tierischen Naturburschen: Der Bürohengst ahnt den Freigeist, mit dem der Ozeanriese seinen Phallus durch die Weltmeere reitet. Der Platzhirsch in der Vorstandsetage neidet dem wilden Elch die nordische Brunftrute. Zwar legt der Alpha-Rüde der Sozietät alle Kontrahenten aufs Kreuz, fühlt sich aber angesichts der geschlechtlichen Präsenz eines Elefantenmännchens, das kennt er von der Safari, minderwertig.
Kein seelischer Knacks durch Lernen vom DAX
Ist es da nicht nur folgerichtig, wenn der deutsche Mann als Repräsentant der größten Volkswirtschaft Europas auch ein stattliches Genital vorzeigen will? Dass nicht nur die Geschäftszahlen stimmen, sondern auch die Länge?
So eine penile Teutonisierung bringt zwei bis sechs Zentimeter Länge, wissen Spezialchirurgen. Zusätzlich wird Bauchfett ins Penetrationsorgan gepumpt, damit es dicker wird. Schlanker Bauch, dicke Hose – aber wenn sie aus dunkelbraunem Cord ist, hat man ein wirkliches Problem.
Mit herzlichem Gruß vom Hausboot, in bester Gesellschaft, von Blässhuhn, Schwan, Kormoran und Hecht
Euer Sonntagskind
PS:
Vor ein paar Tagen war ich in der Show „Berlin in einem Zug” zu Gast, beim fabelhaften Sänger und Entertainer Lars Redlich. Ich musste an Euch denken:
Ihr seid, ich spüre es, genau richtig, wie Ihr seid. Ob in Cord oder Paradieskostüm. Wenn Ihr mit meiner Kolumne Freude habt, drückt bitte unten auf das Herz. Ich schwöre, nichts wird explodieren, nur verhelft Ihr dieser kleinen literarischen Komödie zu Sichtbarkeit. So ein „Like” ist in der digitalen Welt so wichtig wie der kosmetischen Chirurgin der Mann mit Mangelgefühl.
Wenn Ihr noch nicht abonniert habt: Tragt Eure E-Mail ein. Es ist keine Mitgliedschaft im Walkreis Oberhavel, aber immerhin der Garant für unterhaltsame Sonntagsfrühstücksliteratur.
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Und ich habe schon immer gedacht: warum hat eigentlich ein amerikanischer Präsident mit deutschen Vorfahren als einziger eine grellrote übertrieben lange Krawatte die weit in den Schrittbereich hängt - als einziger von allen anderen Politikern auf irgendwelchen Gruppenfotos aber eigentlich auch sonst? Hätte da vielleicht etwas mehr Wal im Unterleib die Wahl beeinflusst im Fluss oder schwimmt der auch nur im trüben Salzwasser wie sein Free Willy, äh ne der andere Film, ...free Flipper...freeze Timmy? Egal! Lassen wir alles explodieren und Eier lecken. Immerhin stekt in jedem Genital doch auch immer der Wille zum Wal, Aal, ...nein ... Dieser Reim geht zu weit. Don't want to short Dick, man Chaney! Zitat: Politik talk in meiner Fantasie unter Pimmelraketen und Tranlampenlicht.🙄