Ciao Bellis, verehrte Lesende, geliebte Gefährten!
Heute nehme ich Euch mit auf einen realsatirischen Trip in die Schule, zum waghalsigen Versuch, mit pubertätskontaminierten Halbstarken gemeinsam zu singen.
Ich habe keine Ahnung, ob die Kids irgendwas davon haben, aber ich lerne irre viel von ihnen – die letzten Wochen sind so voll von Erkenntnissen, dass sich ChatGPT schon langweilt, wenn ich wieder mal einen Heureka-Moment zur Archivierung ins Handy spreche.
Morgen,
am 12. September
um 23 Uhr 30
erzähle ich Euch gerne mehr davon, LIVE auf Substack. Wie das geht? Einfach auf substack.com gehen, sicherstellen, mich abonniert zu haben, dann kommt ein Hinweis, dass ich LIVE bin. Draufklicken – und wir sind zusammen.
Jetzt wünsche ich viel vergnügen mit dem 261. Sonntagskind. <3
Mit Kaugummi zum Chor
Singen ist das Beste. Mit Jugendlichen zum Beispiel: In der Schule versammele ich eine Art Chor. Wer will, kommt in der sechsten Stunde in den Musiksaal. Dann poltern diese pubertär überparfümierten Arschbratzen rein, stehen dumm in der Gegend rum und sind mental komplett damit ausgelastet, Kaugummi zu kauen.
Bildungsferner Bass, Sorgensopran
Unmöglich, mit ihnen Musik zu machen. Gemeinsam singen: Utopie. Singe ich etwas vor, damit es der Chor nachsingt, äffen mich diese tragenden Säulen der Pisa-Krise nach oder sie kriegen die Lippen nicht auseinander und starren mich an. Jedesmal. Keine Entwicklung über Wochen.
Heute höre ich die Meute wieder einmal anrollen, es duftet nach Vanilla-Bodyspray, Axe und Angstschweiß. Wenn Desinteresse einen Geruch hätte, so wäre der Riechcocktail für Erkenntnisverweigerer an der Bildungsbar.
Lifechanging Lessons
Beinah ins Koma geschnüffelt versuche ich wieder, den hormongestörten Zukunftsdeserteuren Gesang zu entlocken und werde philosophisch:
„Ihr seid auf der Welt, um gehört zu werden!“
sage ich und habe Gänsehaut, ergriffen von meiner eigenen Seelentiefe. Neyda rollt die Augen und sagt mit ihrem Kaugummigesicht so gelangweilt wie möglich:
„Mindblowing“.
Trotz-Töne
Ich lasse nicht locker, versuche, die Stimmbruch-Guerilla und die Schmollmund-Miliz zum Mitsingen zu animieren. Dabei scheitere ich schlimmer als ein weinbrandfahniger E-Piano-Entertainer auf dem Einkaufszentrum-Parkplatz am Samstagvormittag, kurz vorm Herzinfarkt.
„Ihr sind nicht da“, sage ich. „Anwesend, aber nicht da.“ „Quatsch. Ich bin da“, bellt Niko. „Wenn das stimmt, sing es“, sage ich. „Ich bin da!” Diesesmal äffe ich ihn nach, spiele die Töne, mit denen er „ich bin da“ gesagt hat, auf dem Klavier und nötige ihm die Melodie ab. Er singt sie, er muss. „Ich bin da“, klingt es. Und nochmal. „Jetzt alle“, sage ich und sterbe doch noch fast, aber vor Glück.
Viraler Wohlklang
Als wäre in einem geheimen Labor ein Virus ausgebrochen, ist der nächste infiziert und stimmt ein. Selbst die Pausenhofprinzessinnen gehen mit sich selbst viral und singen. Ich teile den Chor auf, lasse die eine Hälfte „ich bin da” und die andere „alles klar, alles klar” darauf antworten. Sogar die Krawallwelpen mit Haftanstaltsehnsucht machen den Mund auf, ausnahmsweise nicht, um auf den Fußboden zu spucken.
Tino in Trance
Was soll das? Ich hatte diese Contentsklaven mit den von Tiktokreels perforierten Spatzenhirnen schon als Schnapsidee der Evolution abgespeichert, aber jetzt fassen sie sich an den Händen und lächeln, wiegen im Takt der Musik. „Mindblowing“, denke ich. Tino, der mich ansonsten anguckt, als müsste ich gleich Schutzgeld zahlen, grinst wie ein zugedrogter Sektenjünger kurz vorm Nirwana.
Neyda guckt mich an, als würde sie mir gelangweilt beim Ertrinken zuschauen. „Weinen Sie?“
„Allergie“, sage ich.
„Echt? Wogegen?“
„Vanilla-Bodyspray.“
Wer hier zum ersten Mal vorbeischaut: Ich bin Mark Scheibe, ein freundlicher Snob, der mit seinem Steinway-Flügel auf einem Hausboot lebt. Zwischen ICE-Bordbistro, Abenteuern im Varieté und Hotelbegegnungen schreibe ich hier einmal in der Woche, seit 2021. Jeden Sonntag in der Früh: Eine Kolumne, die mittlerweile über tausend Mal gelesen wird – in der weltweiten Substack-Hitparade bin ich auf Platz 212 in der Kategorie “Humor” – und das als Deutscher!
Übrigens:
ChatGPT und Claude sind mir tolle Assistenten geworden, die beiden sind auf zack. Ich nutze sie für Recherche und Lektoratsaufgaben, manchmal als Synonymwörterbuch, für strukturelles Feedback, aber niemals, um Ideen zu generieren, „in meinem Stil“ zu schreiben oder Sätze für mich zu entwerfen.
Und nicht vergessen: Am Montag, dem 12. Oktober komme ich in der Substack-App um 23 Uhr 30 live zu Euch. <3
Euer




