Ciao Bellis, verehrte Lesende, geliebte Kundschaft!
Vor ein paar Wochen schrieb ich Euch in dieser Kolumne von meinem alten Englischlehrer Herrn Zippel und wie sehr ich bedauerte, ihm nicht mehr sagen zu können, wie wichtig mir dieser anständige, mutige Mann war.
Montag bekam ich eine Mail, die meinen Atem stocken ließ:
Hallo Herr Scheibe,
ich grüße Sie, nicht aus dem Jenseits, sondern ganz lebendig aus Bremen.
Ich freue mich, dass ich seinerzeit offensichtlich doch meinem pädagogischen Auftrag gerecht geworden bin und Ihnen, dem pubertierenden Jugendlichen, eine Fläche geboten habe, an der Sie sich reiben konnten. Sie saßen, aus meiner Sicht, hinten links am Fenster und waren oft so eng im Austausch mit Ihrer Umgebung, dass Sie mich im Unterschied zu manch anderen im Kurs nur in Ansätzen wahrgenommen haben - so schien es zumindest. Mark Scheibe, bei mir abgespeichert als “quite a character”.
Jahre nach Ihrem Ausscheiden aus dem LK-Eng entwickelte sich bei mir, wenn in den Feuilletonseiten immer wieder über Sie berichtet wurde, große Anerkennung für Ihre nachschulischern Leistungen, die gleichzeitig das Altbekannte bestätigten, dass nämlich Schule und Lehrer nicht der Maßstab aller Dinge sein dürfen. Ja, es gibt unterschiedliche Wege durchs Leben.
Ich hebe meine (Steingut-)Tasse Kaffee und trinke auf Sie,
Ihr Rolf Zippel, inzwischen 82
Seit drei Monaten komme ich montags eine halbe Stunde lang LIVE zu Euch. Morgen, am Montag,
dem 5. Oktober
um 23 Uhr 30
Vorher probe ich noch mit meinem sehr sexy Trio Musik für die Verleihung des Theodor-Wolff-Preises in Berlin am Dienstag. Journalistinnen unter meinen Gefährten und Lesern, seid Ihr da?
Ich freue mich, wenn Ihr am Montag um 23 Uhr 30 einschaltet. Wie das geht? Einfach auf substack.com gehen, sicherstellen, mich abonniert zu haben, dann kommt ein Hinweis, dass ich LIVE bin. Draufklicken – und wir sind zusammen. Zwischendurch freue ich mich immer wieder, wenn ich kurz nach Hause komme und von Sonne und Idylle so begrüßt werde, dass ich ins Wasser springen mag.
Macht Ihr mir eine Freude? Liked sie, kommentiert, restacked. Ich habe das Gefühl, dass da draußen noch viel mehr kultivierte Menschen mit Sehnsucht, Lebenslust und Unterhaltungswunsch sind, die noch nichts von Sonntaskind gehört haben.
Nun viel Freude mit der 260. Sonntagskindkolumne!
Glitzer und große Gefühle
Heute trete ich in Hohwacht an der Ostsee mit Ildikó von Kürthy auf, ich bin aufgeregt. Ildikó gehört zu Deutschlands erfolgreichsten Schriftstellerinnen, hat aber keine Lust auf Lesungen. Im Rollkragenpullover auf der Bühne sitzen, sich räuspern und einem verständig nickenden Schlaupublikum aus dem eigenen Buch vorlesen findet sie langweilig. Als Aachenerin hat sie den Karneval im Blut: Aus ihrem Buch macht sie lieber eine prachtvolle Show – mit Dialogen, Songs und Slapstick. Für mich hat sie die Rolle der besten Freundin der Protagonistin vorgesehen. Also unterhalten wir uns beim Schminken über Lebensängste und Reizwäsche, Altern in Würde und Heidi Klum. Natürlich singen wir beiden Dancing-Queens auch ein Abba-Medley. In Glitzerhemden.
Sting mit Stempel
Zwecklos, noch irgendjemanden glauben zu lassen, ich wäre ein seriöser Komponist. Oder ein amtlicher Komponist, wie man früher sagte, wenn jemand etwas Professionelles zu Wege brachte. Leute sagten damals bei cooler Musik nicht „geiler Sound“, sondern „amtlicher Track” oder „gut abgemischt“. „Das neue Album von Sting ist wirklich gut abgemischt.“ – Ein Glück, dass du das überprüft hast, kommt jetzt ein Amtssiegel auf die CD?
Freimachen, falls Flachmann zur Hand
Deutschland ist ein amtliches Land. Es gibt Ehrenämter, Standes- und Liegenschaftsämter und ein Verfahren zur Amtsenthebung. Früher war an jeder Ecke ein Postamt mit Herrschaften in Uniform, die zu Briefmarken „Postwertzeichen“ sagten und auf den Unterschied zwischen Paket und Päckchen Wert legten. Heute kümmert sich der Flachmannverkäufer um dein Einschreiben, in einem knittrigen Shirt von Camp David.
So läuft der Hase
Die DHL schmeißt noch nicht mal mehr Abholkarten in meinen Briefkasten, weil sie ohnehin nicht mehr vorbeikommt und stattdessen meine Sendungen in irgendeinem Handyladen im Nachbarbezirk versteckt. DHL sorgt das ganze Jahr für Osterfeeling: lustiges Paketesuchen. Die dreißig Kilo schwere Solarbatterie für mein Hausboot liegt bei einem Händler für Weinbrandfläschchen und E-Zigaretten in Hakenfelde. Fehlt nur noch, dass er „Kalt, kalt, wärmer!“ ruft, wenn ich mich mit der Sackkarre nähere.
Wir sind in der Post-Post-Ära. DHL, das Kürzel steht vermutlich für Deutsche Hinterlegungs-Lotterie. Ich schlage vor, um Briefe und Päckchen kümmert sich in Zukunft Amazon:
Fiskus in Fetzen
Mittwochabend, halb elf. Das Schreiben vom Finanzamt liegt zerrissen auf dem Parkett, Feger und Schaufel verstecken sich sonstwo in diesem Saustall. Also bestelle ich einen Handstaubsauger, zwölf Stunden später wirft ihn mir die Amazon-Botin auf die Hausbootterrasse.
Die Behörden sollten in ihren Schreiben gleich den QR-Code für genau diese Bestellung mitliefern.
Amazon weiß ohnehin, was ich brauche. Ordere ich Satinbettwäsche und habe früher je ein Buch über polyamore Beziehungen und gewaltfreie Kommunikation gekauft, legt ein Roboter Plüsch-Handschellen und ein drittes Kopfkissen für mich raus.
Ich wollte nur das Bett frisch beziehen, aber Amazon weiß schon, für wen.
Sehnsucht auf Sendung
Wenn dieser Lieferprofi nun auch meine Briefe befördert, erkennt die Super-KI ganz leicht, was mir sonst noch fehlt. Nach einem Quartal voller Mahnungen und Rechnungen sollte selbst der Algorithmus merken, dass ich endlich mal einen Liebesbrief verdient habe.
Geschäftsidee: Amorzon
Vorsorglich lässt Amazon ein paar Entwürfe anfertigen, damit es zackzack geht, sollte Amor liefern. Meine Neigungen sind bekannt, die passende Ansprache lässt sich aus meinen Bestellungen errechnen. „Du bist so wertvoll für mich“ wäre nach all den Zahlungsaufforderungen ein amtlicher Einstieg.
Aber jetzt muss ich mir die Haare machen und langsam Make-up auftragen. Das hat kein Algorithmus kommen sehen.
Wer hier zum ersten Mal vorbeischaut: Ich bin Mark Scheibe, ein freundlicher Snob, der mit seinem Steinway-Flügel auf einem Hausboot lebt. Zwischen ICE-Bordbistro, Abenteuern im Varieté und Hotelbegegnungen schreibe ich hier einmal in der Woche, seit 2021. Jeden Sonntag in der Früh: Eine Kolumne, die mittlerweile über tausend Mal gelesen wird – in der weltweiten Substack-Hitparade bin ich auf Platz 212 in der Kategorie “Humor” – und das als Deutscher!
Übrigens:
ChatGPT und Claude sind mir tolle Assistenten geworden, die beiden sind auf zack. Ich nutze sie für Recherche und Lektoratsaufgaben, manchmal als Synonymwörterbuch, für strukturelles Feedback, aber niemals, um Ideen zu generieren, „in meinem Stil“ zu schreiben oder Sätze für mich zu entwerfen.
Und nicht vergessen: Am Montag, dem 5. Oktober komme ich in der Substack-App um 23 Uhr 30 live zu Euch. <3
Euer





Schick mir mal den Link wenn du die Seite fertig hast ich bestelle dann auch was dafür mich bzw lasse bestellen du kriegst natürlich deine franchise-anteile ist klar 😘 und das Herr Z. Noch unter uns weilt war noch nicht klar, freut mich und das HBG! Let's fight for our right to Teleparty! High five Drehgemeinschaft 😜