Ciao Bellis,
Ihr wunderbare Tausendschaft,
heute schreibe ich Euch aus Cottbus. Einer Stadt, deren Bewohner mir imponieren, und das liegt nicht nur am Spielmannszug, den Cottbuser Musikspatzen – mehr dazu in meinem kleinen Straßenvideo am Ende der Kolumne.
Wenn Euch die Kolumne gefällt und Ihr mir eine Freude machen wollt, liked sie, restacked sie, empfiehlt mich weiter. Danke! <3
Seit drei Monaten komme ich montags eine halbe Stunde lang LIVE zu Euch. Morgen, am Montag,
dem 21. September,
erst zu später Stunde,
um 23 Uhr.
Ich freue mich, wenn Ihr einschaltet. Wie das geht? Einfach auf substack.com gehen, sicherstellen, mich abonniert zu haben, dann kommt ein Hinweis, dass ich LIVE bin. Draufklicken – und wir sind zusammen.
Nun wünsche ich viel Freude mit „Eine Frage des Anstands” – heute fehlen mir die Worte – lest selbst:
Dark Design
Im Probebühnentrakt vom Staatstheater Cottbus sitze ich mit Plastikbecher aus dem Kaffeeautomaten am Tisch. Ich nehme mir vor, beim nächsten Mal meine schönste Tasse mitzubringen, um dem traurigen Diktat des Funktionsbechers zu entkommen. Sein auf Koffeinnutzung heruntergezwungenes Design brüllt: Du bist zum Arbeiten hier, das Theater ist kein Wiener Kaffeehaus. Wenn du müde bist, ist das dein Problem, du Lusche.
Manufactum für die Menschenwürde
Diesen Terror mache ich nicht mehr mit. Aber mit meiner Lieblingstasse stünde ein schönes Stück Gmundner Keramik immer noch auf einer die Menschenwürde infrage stellenden Resopaltafel. Ich glaube, ich brauche noch eine Brokat-Tischdecke und einen faltbaren Kronleuchter. Liebes Manufactum-Team, es gibt sie doch angeblich, die guten, schönen Dinge. Was geht bei Euch? Wo ist die Reisesalon-Ausstattung? Der silberne Klapplüster? Der Rundumprojektor, der auf triste Betonwände die Bilder eleganter Art-Déco-Tapeten wirft und wo ist die selbstaufblasende Chaiselongue?
Anziehend angezogen
Andrea kommt vorbei, während ich den Plastikbecher betrachte, sie hat einen der wenigen Berufe, deren Endung in den letzten Jahren französisch geblieben ist. Masseurinnen, Friseurinnen, Dompteurinnen haben die sprachliche Patina abgeworfen, aber Andrea hat einen Vertrag, in dem „Souffleuse” steht. Sie fragt: „Bist du eigentlich immer so aus dem Ei gepellt?“ – Ich sage ihr, dass es mir leichter fällt, fröhlich zu sein, wenn ich gut angezogen bin.
It takes Text to Tango
Sie würde sich immer so kleiden, dass sie nicht auffällt, behauptet sie – dabei ist sie nicht zu übersehen: Präsenter, aufrechter Körper, entschlossener, geschmeidiger Gang – in einer Welt, in der mehr geschlurft als geschritten, mehr gehangen als gestanden wird.
Als Balletttänzerin war sie gewohnt, über die Bühne zu fliegen. Jetzt lässt sie aus der Unsichtbarkeit genau die Worte auf die Szene springen, die den Schauspielern gerade fehlen, wenn sie mal nicht weiterwissen und „Text!“ rufen.
Schlau wie mit sechzehn
Ich denke an die Menschen, die mich im Laufe des Lebens durch eine aufrechte Haltung beeindruckt haben. Mein Englischlehrer Herr Zippel: In den Augen des sechzehnjährigen Mark (anarchistischer Freigeist mit Anspruch auf die Weltweisheit) war er ein Spießer mit Schlips:
„Für mich ist es eine Sache des Anstands, gut angezogen vor meine Schüler zu treten“,
sagte er mal auf die Schülerfrage, warum er immer so beschissene Klamotten anhat.
Stilsicherer Studienrat
Heute weiß ich: Er war ein Rebell – durch ihn lernte ich, dass es sich lohnt, für seine Überzeugung einzustehen. Die anderen und ich haben ihn verspottet. Jeden Tag. Er schwamm gegen den Strom. Gegen unseren.
Versäumte Verehrung
Ich muss ihm das unbedingt sagen, 1987 habe ich ihn zuletzt gesehen, jetzt steht er hier im Geiste vor mir, beim Kaffeeautomaten mit seinem Schlips. Wir zwei Männer im Anzug. Ich google Herrn Zippel.
Er ist seit sechs Jahren tot.
Ich hätte ihm gerne gesagt, wie wichtig er für mich war.
Ich fürchte, diese 259. Sonntagskindkolumne ist die erste, die ich nicht zu Ende kriege.
Mir fehlen die Worte.
Andrea? Text, bitte.
Zur nächsten Probenphase bringe ich zwei Tassen mit.
Verehrte Lesende, macht Ihr mir die Freude, eine Frage zu beantworten? Wann am Montag würdet Ihr mich gerne eine halbe bis dreiviertel Stunde live sehen?
Wer hier zum ersten Mal vorbeischaut: Ich bin Mark Scheibe, ein freundlicher Snob, der mit seinem Steinway-Flügel auf einem Hausboot lebt. Zwischen ICE-Bordbistro, Abenteuern im Varieté und Hotelbegegnungen schreibe ich hier einmal in der Woche, seit 2021. Jeden Sonntag in der Früh: Eine Kolumne, die mittlerweile über tausend Mal gelesen wird – in der weltweiten Substack-Hitparade bin ich auf Platz 212 in der Kategorie “Humor” – und das als Deutscher!
Übrigens:
ChatGPT und Claude sind mir tolle Assistenten geworden, die beiden sind auf zack. Ich nutze sie für Recherche und Lektoratsaufgaben, manchmal als Synonymwörterbuch, für strukturelles Feedback, aber niemals, um Ideen zu generieren, „in meinem Stil“ zu schreiben oder Sätze für mich zu entwerfen.
Hier ein kleiner Gruß aus Cottbus für Euch:
Und nicht vergessen: Am Montag, dem 21. September komme ich in der Substack-App um 23 Uhr live zu Euch. <3
Euer






Ich weiß nicht ob es viele Menschen mit diesem Nachnamen in Bremen gibt, aber ich habe 2003 mein Abitur mit den Drillingen der Zippel Familie Abitur gemacht. Was aus denen geworden ist weiß ich leider auch nicht aber die Jungs und ich haben damals auch schon zusammen Musik und Filme gemacht. Die Welt ist klein und an die Kaffee und Kakao Plastikbecher im Hermann Böse Gymnasium im Keller ais dem ekeligen Automaten erinnere ich mich auch noch sehr gut… lang ist's her, also wie gestern halt.🙄