Herrliche Lesende,
ein ganz professioneller Marketingexperte wollte ich sein, als ich letzten Sonntag per Umfrage ein Stimmungsbild für Sonntagskind-Weihnachtssalons erfassen wollte.
Ich sah mich schon mit Winchesterhemd vor Kurvendiagrammen und Exceltabellen Funnel-Berechnungen anstellen und Abo-Conversions messen, aber:
Es ist wie mit all meinen Ausflügen in die Erwachsenenberufswelt. In der Lobby der Chefetage fühle ich mich wohl, cremefarbene Ledersofas, niedrige Glastische. Ich lasse mir gerne Kaffee auf einem silbernen Tablett bringen, aber was hinter den Bürotüren passiert, überlasse ich lieber Experten. Den schlauen Strateginnen mit den Seidenblusen, den rigorosen Rechnern mit den rahmengenähten Schuhen. Die guten Gefühle, die mir aus Eurer Beteiligung an der Umfrage entgegenranken, reichen mir.
Und nun? Ingo Bethge, den Hotelier des Hotel Art Nouveau in Charlottenburg konnte ich gewinnen für den Berliner Sonntagskind-Weihnachtssalon am 21. Dezember.
Jetzt müsst Ihr ganz stark sein: Der Eintritt beträgt 15 Euro. Und bitte sagt mir, ob Ihr kommen wollt, damit ich genügend Stühle aufstelle. Dafür gibt es einen Whatsappchat:
BERLIN, 21. Dezember, Hotel Art Nouveau
Mit Handykamera scannen oder einfach auf den QR-Code klicken:
👉 Hier zum Sonntagskind Weihnachts-Salon in Berlin anmelden
In Bremen bin ich mit Sonntagskind zu Gast in Christel Fangmanns Salon der neuen Zeit, bitte schreibt Christel, ob Ihr kommt, hier der Link, einfach scannen oder draufklicken:
👉 Zum Weihnachts-Salon in Bremen anmelden
Heute Berlin und Bremen, morgen die ganze Welt? Oder erstmal München – der Süden ist noch unbespielt. Würde jemand kommen am 17. oder 18. Dezember?
Richtig schön war es auch wieder, live für Euch da zu sein am letzten Montag. Schaut doch mal in meinen Live-Salon am Montag, dem
9. November um 19 Uhr 15:
Jetzt aber: Viel Freude mit der 265. Sonntagskind-Kolumne „Ein Gentleman stellt keine Rechnung”:
Koitale Kalkulation
In einer Bar, nachts. Ein Freund, der im Knüpfen amouröser Verbindungen nicht ganz trittsicher war, fragte mich, während seine Begleitung kurz verschwunden war: „Muss ich ihr auf jeden Fall die Drinks ausgeben, auch wenn gar nicht klar ist, ob nachher noch was läuft?“ Ich hätte gern gesagt: „Ja. Und zwar ein Leben lang, zur Strafe für Deine lieblose, lusttötende Sex-Mathematik.“
So schlagfertig war ich natürlich nicht, ich habe nur gemurmelt, dass es lässig wäre, wenn er das Finanzielle erledigt, ohne dass sie es mitbekommt. Als zwanghafter Gentleman musste ich das vorschlagen.
Ferngesteuert formvollendet
Ich bin derart zwanghaft, dass ich Frauen sogar im Bus die Tür aufhalte. Tritt eine Dame an den Tisch, erhebe ich mich. Eine Anästhäsesistin fand das neulich schwierig, als ich vom OP-Tisch aufstand und dabei fast den Infusionsständer umgeworfen habe.
Kommerz mit Herz?
Ich übernehme gern die Rechnung. Probleme gibt’s, wenn ich eine stellen muss: Im Verkaufen bin ich noch schlechter als als Patient.
Bei Konzerten haben meine Freunde und ich früher genau darauf geachtet, ob die Leute auf der Bühne echte Künstler waren oder nur Sklaven des Kommerz’. Die Unterstellung „Ist ja nur Show“ war in den Achtzigern ein Todesurteil, genau wie „Die wollen nur Kohle machen“. Keine Ahnung, wo das herkam, aber diese Art zu denken hat mich geprägt. Wahrscheinlich ist das frühkindlich, meine Mutter ist an allem schuld. (Sorry, Mama! Ich weiß, dass Du das liest – das ist nur Show hier, ich will nur Kohle machen!)
Campari-Orange als Chance
Mit siebzehn, achtzehn Jahren zogen mein Freund Kriddl und ich durch die Kneipen, in denen ein Klavier stand. Er spielte Saxophon, wir bekamen umsonst Campari-Orange und spielten Boogie-Woogie, die Filmmusik aus Pink Panther und „Take Five“. Anschließend ging einer von uns beiden mit dem Hut rum. Kriddl konnte das – ging er sammeln, konnten wir uns anschließend jeder eine Pizza gönnen und noch die restliche Nacht Campari-Orange inklusive Frühstück finanzieren.
Münzenmusik
Zog ich aber mit dem Hut von Tisch zu Tisch, landete nur ein bisschen erbärmliches Kupfer in der Filzkrempe. Mir war eben wichtiger, dass die Leute mich für einen echten Künstler halten und nicht denken, dass ich nur Kohle machen will.
Vertreterschmäh statt Finanzgenie
Heute, vierzig Jahre später: Ich habe nichts dazu gelernt. Es ist mir unmöglich, auf Konzerten irgendwas zu verkaufen, ich krieg’s einfach nicht hin. Kaum erwähne ich meine CDs, komme ich mir vor wie ein schäbiger Heizdeckenverkäufer. Greift jemand in seine Jackentasche, denke ich nicht: Der will eine Platte kaufen, sondern: Der prüft, ob sein Portemonnaie noch da ist.
Mentoring von der Mammon-Muse
Wer kann mir da helfen? Ich brauche eine Art Wirtschaftstherapeutin. Solche Leute kosten dreihundert Euro die Stunde, ich weiß. Wenn mir so eine Honorar-Heilerin die geldfeindlichen Glaubenssätze wegexorzieren würde, ich würde zahlen, ohne dass sie etwas merkt und ihr anschließend in den Mantel helfen.
Verflucht, ich muss mich jetzt ranhalten, dass meine Tochter nicht irgendwann einen Nachlass mit Dutzenden Kisten originalverpackter Tonträger erbt. Wir haben da noch 743 Cds „Lieder für den späten Abend“, 522 mal „Champagner für alle“ auf CD und 212 mal auf Schallplatte. Was denkt Ihr, zu welchem Marketing-Schachzug eine professionelle Finanzflüsterin raten würde:
So oder so, die Moneten-Mentorin muss mit mir üben, dass ich den Preis nenne: „Die CD kostet zehn Euro.” Oder eben dreißig. Kein fragender Blick, keine Erklärung. Ich sage den Satz und anschließend halte ich die Stille aus. Ohne mich zu entschuldigen. Ohne einen Rabatt anzubieten.
Und wenn sich jemand keine CD leisten kann?
Dann kaufe ich ihm halt eine.
Danke fürs Lesen, verehrte Gefährtinnen und Geneigte – es war mir ein Fest, diesen Text für Euch zu schreiben und mir dabei vorzustellen, wie Steffi sich die Kolumne für Dienstag aufhebt, wie Anna sich vielleicht fragt, ob das hier wirklich „der Wahnsinn unserer Zeit ist” und wie Regine und Norbert im Kreise ihrer Schafe und Schweine über den OP-Tisch schmunzeln.
Am 9. November
um 19 Uhr 15
freue ich mich, wenn wir miteinander ins Gespräch kommen, LIVE auf Substack. Ich singe für Euch am Flügel.
Einfach auf substack.com gehen, sicherstellen, mich abonniert zu haben, dann kommt ein Hinweis, dass ich LIVE bin. Draufklicken – und wir sind zusammen. Oder einfach diesen Link klicken:
L I V E
Wer hier zum ersten Mal vorbeischaut: Ich bin Mark Scheibe, ein freundlicher Snob, der mit seinem Steinway-Flügel auf einem Hausboot lebt. Zwischen ICE-Bordbistro, Abenteuern im Varieté und Hotelbegegnungen schreibe ich hier einmal in der Woche, seit 2021. Jeden Sonntag in der Früh: Eine Kolumne, die mittlerweile über tausend Mal gelesen wird – in der weltweiten Substack-Hitparade bin ich auf Platz 212 in der Kategorie “Humor” – und das als Deutscher!
Übrigens:
ChatGPT ist mir ein toller Assistent geworden, er ist sowas von auf zack – kümmert sich um Recherche und Lektoratsaufgaben, beantwortet Fragen, die ich Google erst umständlich erklären müsste. Liegt man schon auf dem OP-Tisch, wenn der Anästhesist kommt? Chatti knows.
Auch Graphiken macht der kleine Schlingel mir, so wie dieses Titelbild – dabei habe ich gemischte Gefühle, die ich gelegentlich ergründen werde. ChatGTP ist Synonymwörterbuch und gibt mir dramaturgisches Feedback. Aber ich lasse das Ding nicht „in meinem Stil“ schreiben oder Sätze für mich entwerfen.
Herzlicher Gruß und bis bald,
Euer

PS: Mein Freund Kriddl ist heute ein gefeierter Nasenflötenvirtuose und ein richtig toller Swingsänger, hört mal hier:





