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Avatar von jomial@ik.me

Früher wurde ich manchmal ein Tausendsassa genannt. Oder so ähnlich heißt das Wort. Es beschrieb so Jemanden, der vielleicht tausend Sachen kann oder mit allen Wassern gewaschen ist oder vielleicht Jemanden, dem man so ziemlich alles zutraut, aber nie so genau weiß was er eigentlich ist. Was machst du denn eigentlich? Diese Frage wurde mir im Leben schon oft gestellt. Damit ist erfahrungsgemäß gemeint: was hast du gelernt? Wenn ich dann Frage: was willst du denn genau wissen? Der kommt meist so etwas wie: naja hast du eine Ausbildung? Was hast du denn gearbeitet? Weil ich diese Frage häufig gehört habe und mir so langsam die Antworten ausgehen, die ich wirklich passend finde, sage ich manchmal frech: such dir was aus! Und ganz falsch ist das gar nicht. Ich möchte jetzt nicht hier einen kleinen Lebenslauf hinterlassen, aber schon die Einstufung eines "Wesens" Anhand von dem, was er oder sie oder es "geleistet" hat durch eine Zusammenfassung in Form von einer Berufsbezeichnung, ist so charakterlos wie Tinder morgens um 5:05. Sie gibt vielleicht eine Richtung aber ungefähr so wie als würde ich einem ambitionierten Hobby-Kapitän, mit einem Flügel auf seinem Hausboot sagen: wenn du da hinten links weiterschipperst, dann kommt irgendwann New York, da wurde Jazz erfunden. Und dann noch dranhängen scherzhaft "und wenn Du Dir noch einen zweiten Flügel zu legst, dann kannst Du sogar fliegen hahaha!". Da ich viel von der Welt gesehen habe - für meine Verhältnisse finde ich zumindest - habe ich auch viel von der Arbeitswelt kennengelernt. In unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen Leuten in verschiedensten Branchen, von Millionären bis Stiftjungen und Tätigkeiten von Treppen putzen bis zum Avocado Bauern, Büro Allzweck Nerd bis Taxifahrer oder Gitarrenlehrer oder Koch im Imbiss, Wellness Masseur oder Personal Jesus - und überall habe ich mir die Arbeit stets zu Herzen genommen. Für mich war das aber meistens nicht aber gleichzeitig auch nur ein Mittel zum Zweck. In meinem Abi Buch steht so eine Beschreibung über mich, welche ein sehr guter Freund von mir damals geschrieben hat. Da heißt es so ungefähr: jetzt muss er nur noch rausfinden, welches seiner Talente er für sein Leben nutzen will. Mein Protest war immer die Frage auf "was willst du später mal machen?" --> Alles, mindestens ein Mal! Diesen Anspruch an mich selbst habe ich lange Zeit durchgehalten. Und dann kam irgendwann "das Leben" welches ich mir so nie geplant hatte weil meine Devise ja immer war, nie zu planen. Jetzt bin ich bei 69 Prozent meiner Verweildauer als Mensch angekommen, es war so frei und gleichzeitig gefangen wie es maximal geht. Und gleichzeitig habe ich mir gestern mit meiner guten Freundin Marie, die in genau 20 Tagen 90 Jahre alt wird, Fotos von mir und den letzten sechs Jahren angeguckt. Etwas erstaunt war ich schon, was passiert ist, in der Zeit und auf einmal habe ich gemerkt: die Arbeit die dazwischen immer wichtig war, war es nur dann, wenn ich sie wichtig gemacht habe. Die ganzen Zeiten nebenbei, die Pausen, in denen ich nicht darüber nachgedacht habe, waren sehr viel mehr wert. Und dass die Arbeit frei macht haben die KZ-Häftlinge sicherlich nicht so empfunden, aber sie hatten "was zu tun", überleben in Angst. So wie heute viele Menschen in Zeiten der Zweifel und Krisenkriegeblabla. Marie ist fünfzig Jahre länger hier und nie weiter als fünfzig Kilometer von ihrem Dorf weg gewesen. Das war halt so, sagt sie, man musste ja immer... uns dann verstummt sie. Für Yeden, wo jeder Tag Wochenende ist, dann geht jeder Tag zu Ende und es ist das Ende eine Woche vorher und gleichzeitig habe ich in der letzten Zeit gelernt, dass die Zeit eigentlich gar nicht existiert sondern sich dieser blaue Planet einfach nur dreht und wir sind halt manchmal wach und manchmal nicht. Und dieser Wache Augenblick in dem wir in fremde Augen blicken oder lebendig sind, alsauch die Momente in denen man nur schwebt oder im Schlaf alles durchmacht, was man mal "geh-wesen" ist oder noch sein könnte, kann einen auch nicht davon abhalten, sich jede Kollision mit der sogenannten Realität so schön oder traurig wie man es eben braucht zu gestalten. Ich kann nicht Alles. Aber ich kann mir Alles vorstellen! Und ich kann reden und denken wie ein Wasserfall. Ob das jetzt Sinn gemacht hat? Ist mir doch egal. Die Sonne scheint überall! Auf in den Sonnen Tag ***Auf Yeden, Sync High!***

Avatar von Angélique Hadjedj

Lieber Mark, es ganz wundervoll, dass Du zu diesem Thema schreibst, denn seitdem ich meinen neuen Job begonnen habe, mache ich mir noch mehr Gedanken zu diesem Thema als bisher. Mir ist aufgefallen, dass es Menschen gibt, die es nicht nachvollziehen können, wenn andere Menschen Freude an freier Zeit haben, einfach, um ihren Gedanken nachzuhängen oder sich etwas Schönes einfallen zu lassen. Die Sache ist vermutlich tatsächlich eine deutsche, denn in anderen Ländern gibt es das "Dolce Vita" und ein "Leben wie Gott in Frankreich" bedeutet auch nicht, dass der sich dort für wenig Geld krumm gemacht hat. Es ist zu hoffen, dass es für die jungen Leute wieder mehr Orte gibt, an denen sie kreativ sein können.

Und es gibt auch sehr schöne Arbeit, doch die wird nicht bezahlt. Garten- oder Balkonarbeit zum Beispiel.

Letzterer werde ich mich heute widmen. Aber nur kurz. 😁

Hab' einen bezaubernden Tag! 🌿