Geliebte Lesende,
schön, dass Ihr da seid. Viel Spaß beim Lesen der 253. Sonntagskind-Kolumne, der zuverlässigen Frühstücksunterhaltung since 2021. Lesen? Oder hören? Oder beides? Sagt mal:
Danke für die Antwort – jetzt viel Freude:
Pasta, Pracht und Projektion
In dieses tolle italienische Restaurant in Charlottenburg gehe ich sehr gern. Man kann in Berlin für weniger Geld zu Abend essen, aber die Atmosphäre ist phänomenal und die Trüffelpasta auch.
Mitgefühl im Millionärsmilieu
Nur Roberto gegenüber, dem freundlichen Sizilianer mit dem melancholischen Blick, habe ich ein schlechtes Gewissen. Als Gast fühle ich mich verantwortlich und habe den Eindruck, Roberto wird in seinem eigenen Restaurant einfach nicht gesehen. Die Leute spachteln sich die hochpreisigen Gerichte rein, aber genießen sie nicht. Sie protzen voreinander, sitzen mit ihren Armbanduhren herum und bestellen den teuersten Wein, weil er der teuerste ist. Deswegen ist Roberto traurig. Denke ich.
Bündnis der Beseelten
Ich will ihm zeigen, dass ich seinen Schmerz verstehe und keiner dieser grobfühlenden Kretins bin, die nur kommen, weil der Laden hip ist. Ich bin nicht aus Renomméegründen hier, sondern weil ich ein Genießer bin, ein Lebemann, ein dem Dolce Vita zugeneigter Bonvivant – das muss Roberto doch dringend wissen, damit er an seiner unsensiblen Kundschaft nicht verzweifelt und erkennt, dass er in mir einen Verbündeten hat. Dass er das Richtige tut.
Trinkgeld für die Tragödie
Beim Verabschieden mache ich ihm aufrichtige Komplimente für den Zauber, den er zu verströmen weiß und den auch seine aufmerksamen Mitarbeiterinnen pflegen.
Schließlich zeige ich meine heimliche Komplizenschaft, indem ich den Rechnungsbetrag in Fünfzigerschritten aufrunde und ein groteskes Trinkgeld dalasse. Dabei habe ich gehört, dass Roberto mittlerweile mehrere Berliner Immobilien besitzt und in seiner Heimat eine Villa am Meer gekauft hat.
Sizilianisch gefärbte Selbstschau
Sehe ich Roberto in Wirklichkeit gar nicht, sehe ich nur mich? Mich beim Robertosehen? Das ist der Kurzschluss des Künstlers! Nur einfallslose Simplinge nennen so etwas Narzissmus, ich nenne es ein psychisches Perpetuum Mobile.
Notenbank der Nächstenliebe
Ich bin die Europäische Zentralbank der Gefühle: Wo emotionale Deckung fehlt, schaffe ich einfach neue. Wo die Wirklichkeit keine Empfindungen hergibt, erhöhe ich die Umlaufmenge im Gemütscasino. Nennt mich den Wirtschaftsminister der Seele, den Finanzmogul des Sentiments. Geld ist alle, aber ich fühle flammend!
Rendite der Rührung
Roberto hat fünfzig Euro mehr, ich gehe beseelt nach Hause. Für ein paar Minuten ist die Welt ein besserer Ort. Andere Anlageformen haben schlechtere Renditen.
Liste der neu erfundenen Wörter im 253. Sonntagskind:
Simpling, Gemütscasino
Seit ein paar Wochen knipse ich Montags um 19 Uhr für eine halbe Stunde Substack Live an. Beim letzten Mal während der Fahrt mit meinem Hausboot. Es hat Spaß gemacht! Immer, wenn ich live gehe, fragt mich Substack, ob ich eine Einladung an Euch per Mail verschicken will. Ich unterlasse das, weil ich denke: Ihr vertraut mir Eure E-Mailadressen an, ich nutze das nicht aus.
Aber ich möchte es genauer wissen:
Wer hier zum ersten Mal vorbeischaut: Ich bin Mark Scheibe, ein freundlicher Snob, der mit seinem Steinway-Flügel auf einem Hausboot lebt. Zwischen ICE-Bordbistro, Abenteuern im Varieté und Hotelbegegnungen schreibe ich hier einmal in der Woche, seit 2021. Jeden Sonntag in der Früh: Eine Kolumne, die mittlerweile über tausend Mal gelesen wird – in der weltweiten Substack-Hitparade bin ich auf Platz 212 in der Kategorie “Humor” – und das als Deutscher!
Am Montag um 19 Uhr knipse ich die Kamera an: Live vom Hausboot. Sehen wir uns? Hier der Link:
Danke, dass du Sonntagskind liest, die wöchentliche Kolumne seit Sommer 2021. Wenn sie dir gefällt: Ein Like macht Freude. Restacke sie, wenn du der Meinung bist, andere Leute sollten sie auch lesen. Auch über deinen Kommentar freue ich mich und beantworte ihn selbstverständlich, Gemeinschaft ist alles.
Am Besten ist Sonntagskind per Abo. Kostenlos, wenn du willst. Wenn du willst, bezahl etwas, dann kann ich auch weiterhin großzügiges Trinkgeld geben.




Simpling ist ein Dumpling mit einfacher Füllung.
Roberto braucht Abwechslung.
Ich war mal Sommelier in einem schicken Lokal. Weil ich die teuersten Weine einkaufte, gab mir der Händler mal die Möglichkeit, vier Flaschen Leoville-Lascasse vom Jahre schlagmichtot dazu zu erwerben. Da kamen zwei junge Schnösel mit ihren Schicksen und bestellten den. Nach zehn Minuten bestellten sie für den chambrierten Bordeaux einen Weinkühler und tranken in wie teenager eine Sangria saufen, in Kühlschrank Temperatur. Sie tranken alle vier Flaschen weg, die ich ergattert hatte.
Ich heiße zwar nur bei Menschen, die sich nicht mehr genau an meinen Namen erinnern Roberto, aber er hat mein vollstes Mitgefühl 💐
Lieber Mark Scheibe,
wie gern würde ich substacken, wenn ich nur wüsste, was das ist und wie das geht. Ich arbeite außerdem noch daran, mich daran zu beteiligen, daß Sie dem bedauerlichen Roberto weiterhin helfend unter die Arme greifen können. Bleiben Sie geduldig, irgendwann wird mir ein Enkel den Weg zeigen.
Ich frage mich, was Roberto von seinen Besitztümern in Italien hat, wenn er doch in Charlottenburg immer so traurig aussehen muß?
Ihre Kolumne gehört bei uns zum Wochenend-Ritual, genauso wie die von Axel Hacke und Moritz Rinke.
Wir waren auch vor Ort, als Sie im Theater am Goetheplatz Ihren Auftritt hatten. Und "Melodie des Lebens" ist seit vielen Jahren fest eingeplant.
So, nun wünsche ich Ihnen und Ihrer Gemeinde einen schönen Sonntag. Seien Sie weiterhin ein Lichtblick in unserer Zeit!
Edwin Seebode aus Downtown-Martfeld