Herzlich willkommen, liebe neue Sonntagskindler, wie schön, dass Ihr mir etwas von Eurem Sonntag schenkt. Ich will reichlich zurückschenken, heute mit der 264. Kolumne, die das Frühstückscroissant tief in den Hafermilchkaffee der Selbstoptimierung tunkt, um dort das Fegefeuer zu löschen.
Ich möchte auch Danke sagen: Allen, die meine Kolumne teilen und sie somit anderen Leuten empfehlen. Auf diese Weise wächst unsere Gemeinschaft ständig. Aber machen wir uns nichts vor: „Community” sagt sich heute so leicht, nur weil ein paar Leute denselben Account liken.
Was haltet Ihr von einem echten Zusammensein? Zur Weihnachtszeit? Ich könnte mir vorstellen, kurz vor den Feiertagen in Berlin und in Bremen einen Abend zu organisieren. Ich lese ein paar Kolumnen, singe ein paar Songs, ansonsten lernen wir uns endlich kennen und es gibt Schaumwein. Findet Ihr das gut? Bitte stimmt ab:
Wenn genug Leute zusagen, besorge ich einen Club, eine Bar, mal sehen. Möglicherweise wird ein kleiner Obolus fällig.
Liebe Lesende, Ihr sehr schönen Menschen, ich wünsche Euch einen herrlichen Sonntag mit der 264. Sonntagskind-Kolumne. Schaut morgen, am Montag, dem 2. November um 19.15 auf Substack, wenn ich für Euch live Musik mache. Hier der Link:
L I V E
Dankbar, du Dödel!
Aufgewacht! Ich weiß genau, ich sollte mich dankbar räkeln und als erstes meine Morning Pages niederschreiben, bevor ich mich selbst anbrülle:
„Bist du eigentlich bescheuert, du Nichtsnutz? Du glaubst ja wirklich, das Geld kommt zur Tür wieder rein, wenn man es zum Fenster rauswirft. Idiot. Beweg deinen faulen Arsch und kümmer dich um Aufträge.“
Wenn ich selber so sehr mit mir schimpfe, dann mag ich auch nicht mehr ins Dankbarkeitsjournal schreiben und behalte tolle Sätze wie diesen für mich:
„Heute habe ich nichts geleistet, bin aber trotzdem wertvoll. Beim Universum habe ich das neue iPhone Duo 2 TB für umme bestellt. Danke, dass das möglich ist.“
Hesse gegen Vorkasse
Das Dankbarkeitsjournal kommt von den Traumverkäufern von Paper Republic aus Wien. Sie schaffen es, ein Schulheft in einen Fensterputzlappen zu wickeln, ein Gummiband drumrum zu spannen und dir einzuschwatzen, du wirst der neue Hermann Hesse, wenn du da reinschreibst. Endlich befreist du den Weltliteraten in dir! Für nur siebzig Euro.
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, jedem Irrtum ein PayPal-Button und jedem Selbstbetrug ein Geschäftsmodell.
Die Leiden des jungen Werbepartners
Natürlich besitze ich mehrere Notizbücher von Paper Republic – da wohnen schließlich auch Hemingways, Murakamis und Paulo Coelhos in mir drin. Neulich dachte ich: Wenn auf den Seiten im Lederlappen kein neuer Siddhartha entstehen will, klappt vielleicht wenigstens Influencer: Ich schrieb an die Wiener Büroveredler, die Fünf-Cent Gummilitzen von Woolworth auf graue Pappe spannen und sechzehn Euro dafür nehmen:
Liebes Paper-Republic-Team,
ich nutze mit Freude täglich Paper Republic-Notizbücher, meinen petrolfarbenen Grand Voyageur XL habe ich schon seit sieben Jahren. Auf Substack schreibe ich die wöchentliche Kolumne „Sonntagskind“.
Bisher habe ich keine Werbung in der Kolumne gemacht, aber für Paper Republic würde ich es tun: Echtheit, Schönheit und Stil sind auch meine Werte – außerdem sind Eure Produkte Teil meines Arbeitsalltags, in dem ich satirische Kolumnen über mein Leben als weltweit ignorierter Komponist und hypersensibler Entertainer schreibe – für eine stetig wachsende Leserschaft von über tausend lebenskunstaffinen Schöngeistern.
Habt Ihr Lust, dass wir uns mal kennenlernen?
Herzliche Grüße
Euer Mark Scheibe
Gekränkt, aber käuflich
Die Wellnesskapitalisten für den Bestsellerautor in dir haben sich seit Ende Juni nicht zurückgemeldet. Mittlerweile schreibe ich in deren Notizbücher nur noch die schlechtesten Ideen, die guten kommen ins Moleskine Soft Cover.
Melden sie sich doch noch und sponsern meine Kolumne gegen ein zärtliches Product Placement mit einem Tausender pro Ausgabe, überdenke ich das Ganze und schreibe die Passage über die Schreibwarenschlawiner um.
Die Kaffeetassen der Transzendenz
Für mein morgendliches Feelgoodprogramm habe ich ohnehin etwas Besseres gefunden:
Kaffeetassen. Steingut, verschiedene Farben. Ich öffne die Schranktür, schaue meine Tassen an und frage sie, welche meinem Tagesvibe entspricht. Jede Farbe bedeutet etwas und schon habe ich einen Plan:
Lila: Heute geh ich’s langsam an, das Nervensystem braucht Entschleunigung. Längere Zeit ohne Handy auf den See schauen. In den Kormoran hineinfühlen und den Flügelschlag Melodie werden lassen.
Orange: Ich bin in Change-Mood! Heute mache ich Dinge mal ganz anders – zum Beispiel Bordeaux statt Büro: Anstelle weiter in das Luftschloss des organisierten Alltags zu investieren, öffne ich eine schöne Flasche 1989er Château d’Aire.
Rot für die ungestüme Attacke auf den Tag: Ich überwältige diesen notgeilen Berg an To-Dos und besorge es ihm heftig. Mein Wurzelchakra hat richtig Durst.
So beginnt der Tag, wenn man kein Opfer ist, sondern Gestalter – ich bin der Regisseur im Film meines Lebens, nicht irgendeine Esotainmentreligion.
Petrol sei mit Euch
Letzten Sonntag: Das Petrol meiner Tassenwahl verlangt Innenschau und führt mich in die St. Severin-Kirche in Garching bei München: Der schwarze Pfarrer Bartholomäus, Barthi genannt, predigt mit Wucht. Keine Frage, dass er meint, was er sagt. Allerdings ist sein kenianischer Akzent so stark, dass er den Einheimischen größere Schwierigkeiten machen dürfte als mir Norddeutschem das Münchner Kolorit.
Barthi schafft es, dass an einem Sonntagmorgen hier dreihundertfünfzig Leute zusammenkommen. Und es sind nicht nur jene, die an einem Punkt ihres Lebens stehen, wo es heißt: Himmel oder Fegefeuer.
Auch die Gen Z murmelt hier ihr Vaterunser.
Nächstenliebe ohne Gesinnungspflicht
Barthi erwähnt, dass hier jeder willkommen ist, unabhängig von Kultur, Nationalität oder politischer Gesinnung. Jesus ist auch für dich da, wenn du nicht Bayern-München-Fan bist. Das Gerede von Sünde, Buße und Erlösung würde ich noch nicht mal in ein Paper-Republic-Notizbüchlein schreiben, aber zwischen den Zeilen leuchtet eine Wahrheit auf: Zusammensein, Begegnung, die Kunst des Lebens, uns alle verbindet mehr als uns trennt. Genau diesen Effekt will ich auch in meinen Bühnenprogrammen. Nur ohne Jesus, Bart steht mir einfach nicht.
Und jetzt wieder ein Schluck aus der roten Tasse.
Für diejenigen, die Sonntagskind nur per Mail lesen: Klickt doch mal diesen kleinen Beitrag, eine sogenannte Note. Sie führt Euch zu Substack, dort kann man Social Media erleben, ohne sein Gehirn zu vergiften. Oder wie die Taz schreibt (danke, Rainer Glaap): Zuviel Substack ist so schädlich wie eine Überdosis Brokkoli.
Danke fürs Lesen, verehrte Gefährtinnen und Geneigte – es war mir ein Fest, diesen Text für Euch zu schreiben und mir dabei vorzustellen, wie Regina ihrem Rainer die Kolumne im Bett vorliest, wie Ursula sich vielleicht über das Wurzelchakra beömmelt und wie Jörg Barthis Akzent in seinem geistigen Ohr hören kann. Ein bisschen habe ich dabei auch an Claire von Paper Republic gedacht.
Am 2. November
um 19 Uhr 15
freue ich mich, wenn wir miteinander ins Gespräch kommen, LIVE auf Substack. Ich singe für Euch am Flügel.
Einfach auf substack.com gehen, sicherstellen, mich abonniert zu haben, dann kommt ein Hinweis, dass ich LIVE bin. Draufklicken – und wir sind zusammen. Oder einfach diesen Link klicken:
L I V E
Wer hier zum ersten Mal vorbeischaut: Ich bin Mark Scheibe, ein freundlicher Snob, der mit seinem Steinway-Flügel auf einem Hausboot lebt. Zwischen ICE-Bordbistro, Abenteuern im Varieté und Hotelbegegnungen schreibe ich hier einmal in der Woche, seit 2021. Jeden Sonntag in der Früh: Eine Kolumne, die mittlerweile über tausend Mal gelesen wird – in der weltweiten Substack-Hitparade bin ich auf Platz 212 in der Kategorie “Humor” – und das als Deutscher!
Übrigens:
ChatGPT ist mir ein toller Assistent geworden, er ist sowas von auf zack. Er kümmert sich um Recherche und Lektoratsaufgaben, beantwortet Fragen, die ich Google erst umständlich erklären müsste. In welchen Songs spielt Beleidigtsein eine Rolle? Chatti knows.
Auch Graphiken macht der kleine Schlingel mir, so wie dieses Titelbild – dabei habe ich gemischte Gefühle, die ich gelegentlich ergründen werde. Manchmal ist ChatGTP Synonymwörterbuch und gibt mir dramaturgisches Feedback. Aber ich lasse ihn nicht „in meinem Stil“ schreiben oder Sätze für mich entwerfen.
Herzlicher Gruß und bis bald,
Euer





Wenn ich die Umfrage mit den zur Verfügung stehenden Optionen beantworten würde, lieber Mark, würden meine Antworten in die Irre führen. Ich würde lieber nicht an einem Treffen teilnehmen, aber nicht, weil "es mir reicht, den Quatsch zu lesen", sondern weil ich erst vorgestern Morgen zu meinem Mann sagte, dass der Eindruck mit der freundlichen Community ein zartes Pflänzchen sei. Der Eindruck wird leicht beschädigt, wenn nicht sogar gänzlich zerstört, wenn man auch den Rest der Persönlichkeit erleben muss. Man kennt das. Mein Button wäre also derzeit: "Lass mal lieber nicht machen wegen kostbares Pflänzchen".